Überwachung und warum diese nutzlos ist

Die Politik nutzt bekanntlich jede Möglichkeit, die Verstärkung der Überwachungsmethoden zu fordern und durchzusetzen. Immer, wenn etwas passiert, wird dies von diversen Politikern genutzt, um zum Beispiel die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung zu fordern. Die Vorderung nach der Vorratsdatenspeicherung ist schon beinahe ein alter Hut. Was die letzte Zeit aber gefordert wurde, um angeblich die Sicherheit zu erhöhen, ist doch echt erstaunlich, um es mal vorsichtig auszudrücken. So sagte der britische Premierminister David Cameron, dass jede Kommunikation für Geheimdienste einsehbar sein muss, sollte er wiedergewählt werden. Aber nicht nur Cameron will die Verschlüsselung quasi abschaffen. Auch der US-amerikanische Präsident Barack Obama will sie aufweichen und fordert, dass es einen Weg geben müsse, um die verschlüsselte Kommunikation Verdächtiger mitlesen zu können. Sogar in Österreich gibt es inzwischen Vorstöße gegen die Verschlüsselung. So behauptet das Innenministerium, dass es kein Privileg auf Verschlüsselung gäbe. Nun, das mag schon sein, aber es gibt auch kein Privileg für die Regierung, in den Angelegenheiten aller Bürger und Bürgerinnen zu schnüffeln. Und dieses Privileg darf es für Regierungen niemals geben.

Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten

Es ist DAS Argument der Überwachungsbefürworter schlechthin. Angeblich habe jeder, der nichts zu verbergen habe, auch nichts von der Überwachung zu befürchten. Doch das ist einfach schlichtweg falsch.

Erstens hat jeder und jede, der oder die auf diesem Planeten wohnt, etwas zu verbergen. Und zwar schlicht und einfach seine Privatsphäre. Was geht es es die Regierung an, was ich zum Beispiel über WhatsApp mit Freunden schreibe? Zweitens leben wir in einer Demokratie und eine der Grundwerte der Demokratie ist die Freiheit. Wer überwacht wird, ist nicht frei. Ein weiterer Grundpfeiler einer Demokratie ist die Meinungsfreiheit. Und diese funktioniert nur, wenn die Menschen darauf vertrauen können, nicht überwacht zu werden und dass nicht jede Aussage, die sie irgendwo irgendwann tätigen oder getätigt haben, protokolliert, gespeichert und archiviert wird. Denn niemand kann sich sicher sein, wie die Aussagen in der Zukunft ausgelegt werden.

Wenn ein ganzer Staat, ja die ganze Weltbevölkerung von Regierungen und Geheimdiensten unter Generalverdacht gestellt wird, sind wir auf bestem Wege zum Polizei- und Überwachungsstaat. Du bist plötzlich kein braver Bürger mehr und nimmst an Demonstrationen gegen von der Regierung geplanten gesetzten teil? Kein Problem. Graben wir doch mal in deiner Vergangenheit. Da lässt sich schon etwas finden, um dich unter Druck zu setzen und somit mundtot zu machen. Düstere Zukunftsvision? Nein, das hat es in der Vergangenheit schon öfters gegeben und gibt es auch heute noch in totalitären Regimen wie z.B. China. Es ist nicht abwegig, dass dies auch bei uns geschehen könnte, denn unsere Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit.

Überwachung nutzlos

Die Farce an der ganzen Geschichte ist, dass die Totalüberwachung nutzlos ist. Nehmen wir als Beispiel die NSA, den wohl bekanntesten Geheimdienst der Welt. Diese überwacht den kompletten Internetverkehr, speichert alles und, so scheint es zumindest, wertet alles aus. Diese Maßnahmen, so die generelle Behauptung, ist notwendig um Terror, Gewalttaten und Verbrechen bekämpfen zu können. Doch stimmt das wirklich?

Nein, es stimmt eben nicht. Die USA hat etliche Geheimdienste und Spezialeinheiten, die zur Verbrechensbekämpfung da sind und arbeitet auch mit anderen Nationen zusammen. Doch weder ist es ihnen gelungen, den z.B. Bombenanschlag in Boston zu verhindern, noch die Schießereien, die in den USA an den Schulen immer wieder vorkommen.

Nächstes Beispiel. Frankreich hat die Vorratsdatenspeicherung bereits seit einiger Zeit und ist, was Überwachung betrifft, auch sonst eher vorne mit dabei. Dennoch ist es auch den französischen Geheimdiensten nicht gelungen, den Anschlag auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo zu verhindern. Und dabei sollen die Attentäter der Polizei bzw. den Geheimdiensten bereits bekannt gewesen sein.

Ertrinken in der Datenflut

Nur warum schaffen es die Geheimdienste, trotz der ganzen Datensammelei, nicht, für die „Sicherheit“ zu sorgen, die sie immer wieder anpreisen? Das Problem ist wohl, dass zu viele Daten gesammelt werden. Im Internet wird täglich eine unvorstellbar große Menge an Daten produziert. Alles was die Geheimdienste abgreifen können wird in riesigen Datenzentren gespeichert. Dieses Daten gilt es auszuwerten. Und hier scheitern die Geheimdienste offenbar. Sie sind nicht mehr Herr über ihren Datenberg. Das suchen nach den richtigen Hinweisen gleicht wohl der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Das nächste Problem ist, dass die Überwachung praktisch nur den unbescholtenen Bürger trifft. Diejenigen, die wirklich „etwas zu verbergen“ haben, wissen ganz genau, wie sie der Überwachung entgehen können. Entweder es besteht die Möglichkeit der starken Verschlüsselung oder aber, was eventuell sogar noch besser ist, es wird bei der Kommunikation auf elektronische Medien verzichtet. Denn verschlüsselte Daten könnten in ein paar Jahren, wenn der Verschlüsselungsalgorithmus geknackt wurde, doch gelesen werden.

Verschlüsselung hilft

Die Dokumente, die nach und nach veröffentlicht werden, deuten darauf hin, dass auch trotz des NSA-Skandals eine gute Verschlüsselung immer noch als sicher angesehen werden kann. Aktuell deutet nichts darauf hin, dass die Geheimdienste dieser Welt über irgendwelche unbekannte Technologien verfügen, die es ihnen ermöglichen, alles verschlüsselte in Echtzeit zu entschlüsseln und mitlesen zu können. Wäre dies möglich, so könnte es wohl kaum mehr sein, dass die bösen Terroristen, die sich angeblich via Facebook und World of Warcraft austauschen (Und damit meine ich jetzt nicht die Rekrutierung von neuen Mitgliedern. Die wird zum Teil offensichtlich wirklich via Facebook und YouTube gemacht.), trotzdem an ihre Ziele kommen.

Wäre so eine Entschlüsselungstechnologie vorhanden, so wären auch die dubiosen und verbrecherischen Methoden, an Daten zu gelangen, der Geheimdienste obsolet. Wieso nenne ich die Methoden verbrecherisch? Nun ja, immer wieder wird bekannt, dass z.B. die NSA, aber auch andere, ganz klar im Bewusstsein, dass ihre Taten illegal sind, in die Systeme von fremden Firmen und Institutionen einbrechen und deren Daten unerlaubt und ohne richterlichen Beschluss, absaugen.

Fazit

Natürlich muss dem Terror Einhalt geboten werden. Niemand wird bestreiten, dass man den Terroristen einfach freie Hand lassen darf. Die Totalüberwachung der gesamten Menschheit um die totale Sicherheit herzustellen, was offensichtlich ohnehin nicht gelingt, darf aber nicht sein. Gezielte Observation und Beobachtung einzelner Personen oder Gruppen bei konkreten Verdachten ist viel zielführender und effektiver. Denn nicht nur Studien besagen, dass Massenüberwachung und Datensammelei wie die Vorratsdatenspeicherung nutzlos sind, auch die Praxis zeigt das immer wieder. Und schlussendlich sollen Geheimdienste nicht ohne richterlichen Beschluss handeln dürfen.

Österreichischer Kanzler Spindelegger kann sich Asyl für Snowden vorstellen

Wie derStandard.at berichtet, kann sich der österreichische Kanzler, Michael Spindelegger, ein Asyl für Edward Snowden, dem US-Amerikansichen Whistleblower, vorstellen. Wie er sagt, lägen im zwar keine Informationen vor, dass österreichische Politiker abgehört würden, aber er könne es sich vorstellen.

Zudem fordert Spindelegger ein „europäisches Schlüsselsystem“ und „europäische Server“. Was auch immer er damit genau meint. Nur genügen europäische Server nicht. Wir brauchen ein neues, sicheres System und neue Gesetze, die auch eingehalten werden. Ansonsten knacken amerikanische Geheimdienste auch wieder dieses System. Und auch wenn die amerikanischen Dienste es nicht schaffen, wer garantiert uns, dass uns dafür nicht europäische Geheimdienste im Nacken sitzen? Wer garantiert uns, dass die Gesetze eingehalten werden?

Wenn wir aktuell in unser politisches System schauen, kann uns das einfach niemand garantieren. Auch Close-Source-Software scheidet definitiv aus. So wie ich das sehe, kann man nur noch seinem eigenen Serversystem einigermaßen trauen, welches man zuhause im eigenen Keller betreibt und mit Open Source Software läuft. Die Kenntnisse dazu hat aber bei weiten nicht jeder.

NSA scannt Adressbücher und Kontaktlisten

Das nächste „Programm“ der NSA ist nun also bekannt. Der US-Amerikanische Geheimdienst scannt also Millionen Adressbücher und Kontaktlisten aus E-Mail-Diensten, Sozialen Netzwerken und Instant Messaging-Programmen.

Mir fällt dazu eigentlich nur noch eins ein:
Wen wundert’s? Überrascht euch das wirklich noch? Inzwischen sollte wohl klar sein, dass sich die Geheimdienste einfach alles krallen, was sie in ihre Hände bekommen. Privatsphäre wird dabei rücksichtslos missachtet. Mich würde eher interessieren, ob es noch irgendetwas gibt, was nicht von irgendeinem Geheimdienst überwacht, kontrolliert und gesammelt wird.

Hier stellt sich zwischenzeitlich auch die Frage, was der Versucht, sich dagegen zu wehren, oder so wenige Daten wie möglich zu verursachen, überhaupt noch nützt? Du bist nicht bei Facebook? Egal, die anderen lassen ihre Adressbücher scannen und dokumentieren so ihre Bekanntschaft zu dir. Oder sie laden Fotos hoch, auf denen man sichtbar ist. Die Gesichtserkennungssoftware tut dann ihr restliches dazu. Du verwendest kein Google Mail? Aber andere tun es. Oder irgendeinen anderen Mail Provider. Zudem wissen wir ja, dass E-Mails unverschlüsselt versendet werden und die Geheimdienste alle sammeln und zu Profilen auswerten. Auch wenn du keine E-Mails sendest, wirst du wohl von anderen Personen, Freunden und Bekannten erwähnt und somit kann man wieder Profile über dich erstellen. Du verwendest kein Dropbox? Na ja, hier wird die Argumentation schon schwieriger. Allerdings vertraue ich meiner Antiviren-Software auch nicht mehr. Jedes AV-Programm hat inzwischen Funktionen, mir welcher die gescannten Dateien per Cloud-Service überprüft werden. Zum Teil werden Dateien und Dokumente sogar auf die Server der Antiviren-Firmen hochgeladen und direkt dort gescannt. Um schneller zu reagieren und bessere Erkennungsraten zu schaffen, wie die Unternehmen behaupten. Zudem wird versprochen, dass die Dateien natürlich gleich wieder von den Servern gelöscht werden. Doch wer prüft das? Wer sagt uns, dass wir den Unternehmen trauen können? Wer garantiert uns, dass nicht auch diese Firmen schon lange Verträge mit irgendwelchen Geheimdiensten haben?

Es ist ja gut und Recht, zu versuchen, sich etwas davor zu schützen, denn schließlich hat jeder Mensch das Recht auf Privatsphäre. Andererseits glaube ich allmählich, dass wir als Volk so gar nicht die Möglichkeit haben, uns selbst zu schützten. Wenn uns der Staat nicht mit ordentlichen Gesetzen schützt und auch nicht dafür  sorgt, dass diese durchgesetzt werden, so wird sich wohl oder übel nichts ändern. Der nächste Schritt ist dann ein Umdenken in den Führungskreisen von Polizei und Geheimdiensten.

Versteht mich nicht falsch, ich versuche durchaus weiterhin, meine Privatsphäre zu schützen und baue mir Alternativen zu Dropbox, Evernote und Gmail auf. Angesichts solcher Meldungen fragt man sich jedoch ernsthaft, was das Ganze bringt, wenn es offensichtlich niemanden zu interessieren scheint.

Dropbox-Konto gelöscht

Nun habe ich also mein Dropbox-Konto gelöscht. Die ganzen NSA- und Privacy-Leaks der letzten Wochen sind einfach zu viele.

„Früher“ hat man ja noch gerne gesagt „Ich bin zu uninteressant für die“. Seit „Full Take“ wissen wir jedoch, dass dem nicht so ist. Jeder, der im Internet unterwegs ist, ist für die NSA – und auch für alle anderen Geheimdienste – eine interessante Person. Ich schaue mich schon länger nach alternativen zu Dropbox, Google Mail usw. um. Seit den Leaks jedoch wieder viel stärker.

Für’s erste habe ich mich dazu entschieden, meine externe Festplatte aus dem Schrank zu holen und alle meine Daten auf dieser zu speichern. Es ist zwar etwas umständlicher, jedes Mal die externe Platte anstöpseln zu müssen, aber sei’s wie’s sei, immer noch besser, als alle Daten offen für alle auf Dropbox zu speichern.

Soweit so gut. Als nächstes ist Evernote an der Reihe.