Der mühsame Umstieg auf Verschlüsselung

Wie oft habe ich bereits mit den verschiedensten Menschen über Verschlüsselung diskutiert. Mit Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen und fremden. Das Ergebnis war bis jetzt, bis auf wenige Ausnahmen, fast immer dasselbe. Es wird von kaum jemandem eingesehen, warum er seine Daten verschlüsseln sollte. Ständig wird mit dem berühmt-berüchtigten Satz „Ich habe doch ohnehin nichts zu verbergen“, argumentiert. Das kann ich so aber nicht stehen lassen.

Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten

Nach der ganzen Reihe an Überwachungsenthüllungen, bei welchen die schlimmsten Befürchtungen sämtlicher Verschwörungstheoretiker wahr, oder besser gesagt, bestätigt, wurden, sollte eigentlich selbst der Naivste aufgewacht sein. Eigentlich. Wie ich dieses Wort hasse.

Jahrelang habe ich gepredigt, dass man seine Daten und seine Kommunikation verschlüsseln soll. Niemanden hat es interessiert und ich wurde lediglich als paranoider irrer belächelt. Und nun? Jetzt, da das Ausmaß der Überwachung öffentlich wurde, sind es ausgerechnet die Menschen, die mich früher stets belächelten, die nun behaupten, sowieso immer schon alles gewusst zu haben. Dazu fällt mir nur noch eins ein: WTF?

Interesse gleich Null

Früher war ich ja naiv genug, zu glauben, dass solche skandale einen enormen Vertrauensverlust für die US-amerikanische Industrie bedeuten würde. Heute weiß ich, dass es, mal abgesehen von großen Unternehmen vielleicht, so gut wie niemanden interessiert. In meinem Umkreis konnte ich bisher absolut niemanden überzeugen, seine Daten zu verschlüsseln bzw. auf verschlüsselte Kommunikation umzustellen. Selbst die, die sich stets so gerne „rebellisch“ geben, interessieren sich für solche Dinge schlicht überhaupt nicht. Das beste „Argument“, welches ich bisher zu Gehör bekam, war: „Schläfer sein. Sich verhalten wie bisher, Notfallplan entwickeln, bei Gelegenheit zuschlagen. Wenn du jetzt beginnst, dein Verhalten zu ändern, machst du dich nur verdächtig.“ Ja ne, is kla‘. Derjenige hat mir das übrigens über WhatsApp geschrieben. Nur mal so nebenbei angemerkt. Nicht einmal bekannte und Kollegen aus der IT-Branche, die genau wissen, was so alles an Daten abgefangen und ausgelesen werden kann und was auch getan wird, machen sich die Mühe, ihre Daten und Kommunikation zu verschlüsseln. Wie also soll man den Otto-Normal-Verbraucher zur Verschlüsselung bewegen?

Wie soll man nun weiter vorgehen?

Ich verschlüssle meine Daten, wo ich kann. Zum Beispiel verwende ich TrueCrypt um meine Festplatten zu verschlüsseln. So sind die Daten zumindest im Falle des Verlusts eines Datenträgers gut geschützt. Schön wäre natürlich, wenn man seine komplette Kommunikation verschlüsseln könnte. E-Mails nur verschlüsselt übertragen. Telefonie nur noch verschlüsselt, Messenger und SMS ebenso verschlüsseln.

All diese Maßnahmen setzten aber voraus, dass der Kommunikationspartner ebenso verschlüsselt. Bis heute ist das leider kaum der Fall, so dass man wohl oder übel unverschlüsselt kommunizieren muss. Was bleibt, ist ein komisches Gefühl in der Magengegend, jedes Mal wenn man eine E-Mail mit persönlichen Daten verschicken muss, oder aber am Telefon etwas persönliches bespricht.

Umstieg Schritt für Schritt

Wenn ich von Verschlüsselung spreche, so haben viele das Gefühl, ich will, dass sie sofort ihre komplette Kommunikation fortan verschlüsseln. Dass das nicht funktioniert, ist mir durchaus klar. Man kann nicht einfach so mir nichts dir nichts von heute auf morgen sein komplettes Verhalten umstellen. Aber man kann irgendwo beginnen und Stück für Stück verschlüsseln. Anfangen mit den Daten, dann vielleicht den Messenger umstellen, irgenwann die E-Mails verschlüsseln, möglicherweise sogar weg von großen Anbietern wie Google Mail oder GMX.

Oft schon habe ich hier meine Hilfe angeboten und versucht, den Menschen das Thema Verschlüsselung schmackhaft zu machen. Bis heute habe ich aber ständig genervte Blicke und desinteresse geerntet. Bis heute meldete sich keiner mit der Bitte, bei der Verschlüsselung zu helfen.

Fazit

Diejenigen die wie ich gerne alles verschlüsseln würden, bleibt also wohl oder übel nur, entweder auf sämtliche modernen Kommunikationsmittel zu verzichten, oder aber, zähneknirschend weiterhin unverschlüsselt zu kommunizieren. In der Zwischenzeit kann man nur dort verschlüsseln, wo es eben möglich ist und darauf hoffen, dass sich Verschlüsselung wohl doch noch irgendwann flächendeckend durchsetzten wird.

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